Hamar liegt am Ufer des Mjøsa, dem größten See Norwegens. Heute leben hier rund 32.000 Menschen. Aber dies ist eigentlich das zweite Hamar - die ursprüngliche Stadt wurde vor über 450 Jahren zerstört.
Das erste Hamar war eine mittelalterliche Handelsstadt, eine von nur acht in Norwegen und die einzige, die nicht an der Küste lag. Sie entwickelte sich um einen Bischofssitz, der 1152 gegründet wurde, als ein päpstlicher Legat - der spätere Papst Hadrian IV - kam, um die norwegische Kirche zu organisieren. 400 Jahre lang florierte die Stadt mit einer Kathedrale, einem Kloster, einer Schule und einem Markt. Die Hamarkrøniken, eine Chronik aus dem Jahr 1500, beschreibt die Stadt als blühenden Ort mit Straßen voller Handwerker und Fischer.
Im Jahr 1567, während des Nordischen Siebenjährigen Krieges, brannten schwedische Truppen die Stadt nieder und zerstörten sie. Die Kathedrale wurde mit Schießpulver in die Luft gesprengt. Die Bevölkerung zerstreute sich. Hamar hörte für fast 300 Jahre auf, als Stadt zu existieren.
Das moderne Hamar wurde 1848 vom Parlament neu gegründet und etwas östlich des mittelalterlichen Ortes errichtet. Die Ankunft der Eisenbahn, die 1880 von Oslo hierher fuhr, trug zum Wachstum der neuen Stadt bei.
Die Olympiahalle Vikingskipet ist kaum zu übersehen - die auf dem Kopf stehende Form des Wikingerschiffs sticht sowohl von der E6 als auch vom Zug aus ins Auge. Das Stadtzentrum hat angenehme Straßen und eine Uferpromenade mit einem ikonischen Sprungturm aus den 1950er Jahren, aber die wirklichen Anziehungspunkte befinden sich am Stadtrand: die mittelalterlichen Ruinen von Domkirkeodden, die nach jüngsten archäologischen Entdeckungen "Norwegens Pompeji" genannt werden, und das Eisenbahnmuseum.
Jüngste Ausgrabungen haben die verlorene mittelalterliche Stadt fast unversehrt unter der Erde gefunden - Gebäude, Straßen, sogar ein mittelalterlicher Würfel. Im Gegensatz zu anderen mittelalterlichen Stätten in Norwegen wurde hier nichts überbaut, so dass die Stadt wie eine Zeitkapsel erhalten ist. Die Archäologen fangen gerade erst an, sie freizulegen.
Hamar ist gut angebunden. Mit dem Zug ist die Stadt etwa 1 Stunde und 20 Minuten von Oslo entfernt, und es gibt regelmäßige Abfahrten - ein einfacher Tagesausflug von der Hauptstadt aus. Die E6 führt direkt östlich des Zentrums vorbei. Wenn Sie Zeit für die Museen haben, lohnt sich ein Zwischenstopp. Wenn Sie nur auf der Durchreise sind, sollten Sie zumindest wissen, dass Sie an einem Ort mit einer bemerkenswerten Geschichte vorbeikommen, die sich direkt unter der Oberfläche verbirgt.