Der Bau der Strecke, durch die Sie jetzt fahren, dauerte fast 20 Jahre. Die Bauarbeiten begannen 1923, und die Strecke wurde erst 1940 vollständig eröffnet. Fast zwei Jahrzehnte lang waren in diesem Tal bis zu 280 Männer gleichzeitig beschäftigt.
Die Tunnels waren die Herausforderung. Von den zwanzig Tunneln auf dieser Strecke wurden achtzehn vollständig von Hand gegraben - Arbeiter bohrten in die Felswand, packten Dynamit ein, zogen sich zurück, sprengten, räumten den Schutt weg und taten es dann wieder. Die Fortschritte betrugen durchschnittlich einen Meter pro Monat. Allein der Nåli-Tunnel dauerte elf Jahre.
Ein Tunnel macht eine komplette 180-Grad-Kurve im Inneren des Berges. Die Technik kam aus der Schweiz. Robert Gerwig hatte in den 1870er Jahren auf seiner Schwarzwaldbahn Pionierarbeit mit Spiraltunneln geleistet und sie dann auf die berühmten Schleifen der Gotthardbahn bei Wassen angewandt. Norwegische Ingenieure studierten diese Methoden - viele an der ETH Zürich - und brachten sie mit nach Hause.
Aber wie hält man einen kurvenreichen Tunnel in der Spur, wenn man kein Tageslicht sehen kann? Mit einem Theodolit - einem Präzisionsinstrument zur Messung von Winkeln - und Mathematik. Die Vermessungsingenieure unterteilten die Kurve in kurze, gerade Abschnitte und maßen an jeder Station bei Lampenlicht winzige Ablenkungswinkel, im Vertrauen darauf, dass ihre Berechnungen beide Enden zusammenführen würden.
Die Arbeiter wohnten in Baracken entlang der Strecke - sechzehn Mann in vier Zimmern. Sie zahlten für ihren eigenen Koch, Schmied und Dynamit.
Die örtlichen Landwirte konkurrierten heftig um die Transportaufträge, indem sie nachts Material mit Pferden und tagsüber Touristen transportierten. Der Wettbewerb führte zu regelrechten Schlägereien, bis die Verkehrspolizei eingeschaltet wurde.