Das flache Ackerland um Lillestrøm sieht von der Autobahn aus nicht nach viel aus. Aber dieses Gebiet, Kjeller genannt, ist der Ort, an dem sowohl die norwegische Luftfahrt als auch die Kernforschung ihren Anfang nahmen.
Im September 1912 erkundeten zwei Militärpiloten die Gegend auf der Suche nach einem Platz, der flach genug war, um ein Flugzeug zu landen. Sie fanden es hier. Im selben Monat wurde der erste norwegische Flughafen eröffnet, dessen Hangar von der örtlichen Holzfabrik in nur zwei Wochen gebaut wurde. Roald Amundsen, der gerade den Südpol erreicht hatte, kam hierher, um das Fliegen zu lernen, und erwarb 1914 den ersten zivilen Pilotenschein Norwegens.
Während des Zweiten Weltkriegs übernahmen die Deutschen Kjeller und nutzten es zur Wartung von Flugzeugen der Luftwaffe. Die Briten bombardierten die Anlage zweimal - 1943 und 1944 -, um die Reparaturen zu stoppen. Zwölf Zivilisten starben bei den Angriffen.
Im Oktober 2024 beschloss die Gemeinde, den Flugplatz nach über 112 Jahren Betrieb zu schließen. Das Gebiet wird für Wohn- und Gewerbebau genutzt werden. Über den Erhalt einiger historischer Gebäude und der Sammlung von Flugzeugveteranen wurde viel diskutiert.
Aber es gibt noch mehr, was hier verborgen ist. Im Jahr 1948 wurde in Kjeller das Institut für Kernenergie gegründet. Drei Jahre später war Norwegen erst das sechste Land der Welt, das einen Kernreaktor betrieb. Der Reaktor produzierte Radiopharmaka für die Krebsbehandlung, bis er 2019 abgeschaltet wurde und nun stillgelegt wird.
Das Forschungszentrum ist noch vorhanden, ebenso wie das Defence Research Establishment und mehrere andere Hightech-Institute. Rund 3.000 Menschen arbeiten im Kjeller Technology Park. All das ist von der E6 aus nicht zu sehen, aber es erklärt, warum diese unscheinbare Landschaft einige bemerkenswerte Neuerungen hervorgebracht hat.